Aktuelle Artikel/ Articles actuels

2017 (Juli) (Artikel)

Der Mittelmeerraum als historischer Kulturraum, der sich über Europa, Nordafrika und das saharische Afrika erstreckt, ist das Thema eines Artikels des tunesischen Historikers

Mohieddine Hadhri

La Méditerranée face aux défis de la mondialisation.

Des ponts et des passerelles culturelles à reconstruire.

Das Mittelmeer vor den Herausforderungen der Globalisierung. Kulturelle Brücken und Übergänge müssen wieder hergestellt werden.

In: Jacques-Emmanuel Bernard (et al.), Continuité et rupture des échanges en Méditerranée. Histoire, religion littérature, société. Université de Toulon, Laboratoire Babel 2016 (= Collection « Transverses »), S. 311-330

Der Artikel bietet sowohl einen kulturgeschichtlichen Überblick über die zahlreichen und tiefgreifenden Kontakte und Verbindungen zwischen der arabisch-islamischen Welt und Europa als auch eine Liste von Vorschlägen, wie diese Verbindungen durch eine andere, kulturelle Wahrnehmung neu belebt werden könnten. Symbolisches Vorbild ist für Hadhri das arabisch-jüdisch-christliche Andalusien des Mittelalters. Dem entgegen wirkende Kräfte sind Identitarismus, Xenophobie und Extremismus. Im geschichtlichen Rückblick behandelt der Autor Andalusien (al-Andalûs), das normannische und staufische Sizilien sowie die wissenschaftlichen und philosophischen Impulse, die vom arabischen Süden ausgingen und im Rationalismus der europäischen Aufklärung münden. Für Gegenwart und Zukunft schlägt Hadhri vor: Intensivierung des Dialogs „Europa –  Islam“ mit Blick auf das gemeinsame abrahamitische Erbe – Korrektur und Neugestaltung der eingespielten Deutungsschemata zwischen Europa und arabisch-islamischer Welt – andere, neue Symbolfiguren für die Narrative (Erzählungen) zum Verhältnis von Nord und Süd wie Augustinus und Leo Africanus, aber auch Odysseus und Dido – eine neue Art von Kulturreisen, die zum Beispiel über ausgewiesene Kulturstraßen Stätten des europäischen und des arabischen Kulturerbes verbinden – Gründung von aktiven Netzwerken, die euro-mediterrane Städte wie Florenz, Sevilla, Fes, Byblos (Libanon), Lattakia (Syrien) und andere im Sinne eines „neuen Andalusien des 21. Jahrhunderts“ zusammenführen.

Mohieddine Hadhri ist emeritierter Professor für Geschichte an der Universität Tunis – Manouba, Mitglied des wissenschaftlichen Komitees ‚Geschichte der UNESCO‘ und Vorstandsmitglied der Stiftung WEM e.V.

 


2017 (Juni) (Vortrag)

„Saint-Louisien“ ist man weniger wegen seiner Geburt als wegen seiner Kultur, so der senegalesische Autor und Hochschullehrer Fadel Dia. Alpha Amadou Sy, freier Philosoph und Schriftteller aus Saint-Louis (Senegal), widmet seiner Stadt an der Atlantikküste mit dem hier publizierten kleinen Vortrag eine begeistertes ‚Städtelob‘. Warum scheint das Miteinander der Menschen mit so unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Religion, unterschiedlicher Sprache dort zu funktionieren? Bei seiner Antwort bezieht sich Sy auf (nicht nur) afrikanische Lebensweisheit und eine Kulturen übergreifende philosphische Einsicht.  Als grundlegend begreift er zwei Prinzipien: Zunächst ein Verständnis für Maß und Grenze (in Wolof: „xamal lunu la waxul…xamal bi ci yam“: „Man muss auch wissen, was man dir nie gesagt hat, den Sinn für Maß“). Zum andern, mit Kant, die Freiheit, Fragen zu stellen, auch wenn es dafür keine Antworten gibt: Glaube als Recht, Gewissensfreiheit als tragende Säule der Demokratie. Alpha Amadou Sy  ist Korrespondent der Stiftung WEM.

Saint-Louis du Sénégal ou „la Civilisation de l’Universel“ en miniature

Saint-Louis oder die Weltzivilisation en miniature

Texte présenté au Forum de Saint-Louis du 15 juin 2017 – Vortrag auf dem Forum de Saint-Louis am 15. Juni 2017


 

2017 (Juni) (Radiosendung, Diskussion)

Unter Druck: Senegals friedfertiger Islam

Diese Sendung wurde vom schweizer Rundfunk SRF 2 am 14. Mai 2017 gesendet. Einer der Gesprächspartner war Prof. Bakary Sambe, Vorstandmitglied der Stiftung WEM.

Wer den Senegal kennen lernen will, wird schnell auf die Sufi-Bruderschaften stoßen. Sie sind außerordentlich breit und fest in der Gesellschaft verankert und haben großen Einfluss auf Kultur, Politik und das religiöse Leben. Die ‚confréries‘ vertreten eine spezifisch afrikanische Ausprägung des Islam, der dennoch auch einige Aspekten mit der europäischen und arabischen Mystik und ihren Lehren teilt.  Keine Frage, dass dieser Islam dem in den Golfstaaten vertretenen nicht entspricht und von dorther auch starkem und finanzmächtigen Druck ausgesetzt ist. Prof. Bakary Sambe, der an der Université Gaston Berger in St. Louis (Senegal) lehrt, ist Gründungspräsident des Timbuktu Institute – African Center for Peace Studies. Das Institut untersucht die politisch-religiöse Situation insbesondere in Westafrika unter den Aspekten Gewaltprävention und Bildung.

 


2017 (Mai)

Fadoua Chaara: Translationslehre in Marokko nach der Hochschulreform: „Viel Mühlenlärm, aber wenig Mehl“

In: Susanne Hagemann, Julia Neu und Stephan Walter (Hrsg.), Translationslehre und Bologna-Prozess: Unterwegs zwischen Einheit und Vielfalt. – Translation/Interpreting Teaching and the Bologna Process: Pathways between Unity and Diversity. Berlin: Frank & Timme 1917 (= TRANSÜD 87), 484 S.

Prof. Chaara untersucht die bildungspolitische und fachliche Situation der Übersetzungswissenschaft in Marokko im Kontext der komplizierten Sprachenpolitik des Landes. Sie ist die Leiterin der Deutsch-Abteilung der Ecole Supérieure Roi Fahd de Traduction (ESRFT) der Universität Abdelmalek Essaâdi in Tanger und Vorstandsmitglied der Stiftung WEM.

 


2017 (Januar) (Mai)

Artikel (Diskussion)/ Article (discussion)

Bernd Thum
Wir brauchen neue Brücken.
In: Kulturaustausch. Zeitschrift für internationale Perspektiven 1/2107, S. 66

Der Autor wirbt für eine Stärkung der Kulturbeziehungen nicht nur zum Maghreb, sonder auch zu Sahel-Afrika im Rahmen eines ‚funktionalen‘ euro-afro-mediterranen Raums. Migration und Sicherheit sind auch für Thum wichtige Themen, sie sollten aber in größere gesellschaftlich-kulturelle, ‚funktionale‘ Zusammenhänge gestellt werden.

„Wie wäre es, auf der Grundlage langfristig wirkender wirtschaftlicher, politischer und demografischer Fakten eine Karte der großen Interaktionsräume zu erstellen, in denen Deutschland, eingebunden in ein funktionales Beziehungsgefüge regionaler, aber auch globaler Akteure seinen spezifischen Ort hat? In den räumlichen Konturen, die sich aus einem solchen Beziehungsnetz ergeben, könnten sich im Rahmen einer multilateralen Kulturpolitik, die zivilgesellschaftliche Akteure aus verschiedenen Ländern zusammenführt, neue politische Orientierungen entwickeln.

Entscheidende Bedeutung hat für Deutschland und Europa neben dem transatlantischen und dem europäisch-russisch-zentralasiatischen Raum besonders auch der europäisch-mittelmeerisch-subsaharische Raum. Für das Zusammenwirken mit den USA tritt in Deutschland die Vereinigung ‚Atlantik-Brücke‘ ein. Wäre, so fragt der Autor, nicht auch eine ‚Mittelmeer-Sahara-Brücke‘ denkbar?

Prof. Bernd Thum ist Präsident der Stiftung Wissensraum Europa-Mittelmeer (WEM) e.V.

Vgl. auch

Bernd Thum (Heidelberg/ Karlsruhe): From the Euro-Mediterranean Partnership towards a Geopolicy of the Wider Euro-Mediterranean Area as a ‚Functional Space‘ (2015)

 

English version

Bernd Thum

We need new bridges. Linking the European-Mediterranean-Sub-Saharan Area as a functional space.

In: Kulturaustausch. Zeitschrift für internationale Perspektiven 1/2107, S. 66

The author suggests to strengthen cultural relations not only to the Maghreb, but also to Sahel-Africa within the framework of a ‚functional‘ Euro-Afro-Mediterranean region. Migration and security are important issues for him, too, but they should be placed in larger socio-cultural, ‚functional‘ contexts.

See also:

Bernd Thum (Heidelberg/ Karlsruhe): From the Euro-Mediterranean Partnership towards a Geopolicy of the Wider Euro-Mediterranean Area as a ‚Functional Space‘ (2015)

 

Bernd Thum: ‚Wir brauchen neue Brücken‘, in Arabisch

In Vorbereitung


 

2016

Artikel (Diskussion)/  Article (discussion)

Mohieddine Hadhri: The Mediterranean: Yesterday, Today and Tomorrow.

In: Giuseppe d’Angelo – Jorge Martins Ribeiro, Borders and Conflicts in the Mediterranean Basin. Fisciano, Italy, ICSR Mediterranean Knowledge 2016, S. 11-23 (= Mediterranean, Knowledge, Culture and Heritage 2) (online: http://mediterraneanknowledge.org/publications/index.php/bookseries)

Der Autor geht aus von der alten und neuen Problematik des erweiterten Mittelmeeraums als Ort der Integration und des Konflikts. Als Gegenbild erscheint das arabisch-christlich-jüdische Andalusien des Mittelalters. Wie lässt sich das angegriffene „mittelmeerische Gebäude“ rekonstruieren als Notwendigkeit auch im Kontext globaler Geopolitik? Im Artikel werden einige Konzepte genannt, die sich bei entsprechendem politischen Willen umsetzen ließen: die Vertiefung des Diskurses über das Erbe Abrahams, das durch das Thema ‚Islam in Europa‘ neues Gewicht bekommt; Verbreitung des Wissens über die alten kulturellen Verbindungen zwischen den aus dem Mittelmeerraum stammenden Kulturen Ägypten, Griechenland, Rom, arabische Hochkultur, italienische Renaissance u.a., wobei die Beiträge des Orients und des Maghreb schärfer beleuchtet werden müssten;  Betonung der Brückenfunktion von Regionen wie Sizilien, Städten wie Córdoba und Persönlichkeiten wie Leo Africanus, Goethe…; Studium der Literaturen und Künste (Ilias, Odyssee, Sindbad…), neue Sicht auf den so genannten Orientalismus. Ausführlich geht der Autor auf die Rolle der Wüste ein, ein Faszinosum für Europäer und mythisch-spiritueller Raum für Araber. Dies führt ihn zu einem engagierten Plädoyer für die Einbbeziehung des saharischen und subsaharischen Raums und seines kulturellen Erbes in den euro-mediterranen Raum. Dies entspricht auch dem Raumkonzept, das von der Stiftung WEM vertreten wird. Prof. Hadhri ist Vorstandsmitglied der Stiftung WEM.

(B.T.)

 


2016 (Oktober)

Empirische Studie (Diskussion)/ Etude empirique (discussion)

Timbuktu Institute, Dakar

Facteurs de radicalisation.
Perception du terrorisme chez les jeunes dans la grande banlieue de Dakar

Sous la direction de Dr. Bakary Sambe,
Mouhamadou Bâ, Geneviève Duchenne, Yague S. Hanne, Mame Seyni Mbaye

Faktoren der Radikalisierung.
Wahrnehmung des Terrorismus bei Jugendlichen in der Banlieue von Dakar.

Wissenschaftliche Leitung: Dr. Bakary Sambe, Mouhamadou Bâ, Geneviève Duchenne, Yague S. Hanne, Mame Seyni Mbaye

In dieser Untersuchung kommen junge Leute der Banlieue von Dakar (Senegal) zu Wort. Es geht um ihre Wahrnehmung von Radikalisierungsprozessen und Terrorismus sowie ihre Einstellungen dazu.

Eine Mehrheit von 32 Prozent glaubt, dass „Radikalisierung“ und „Extremismus“ auf eine falsche Interpretation des Islam zurückgehen, 25 Prozent lehnen Gewalt im Namen des Islam ab. Nur sieben Prozent der befragten jeunes sind der Meinung, es handele sich dabei nur um eine rigoristischen Praxis des Islam und bringen dies auch klar zum Ausdruck. Allerdings ist ein ganzes Drittel nicht in der Lage, Antworten zu geben – nach Auffassung der Forscher ein bedenklicher Sachverhalt.

Fast die Hälfte halten Armut und Arbeitslosigkeit für das „Bett“ des Terrorismus. Wenn man – so die Forscher – dieser Angabe Bildungsdefizite, einschließlich der religiösen Bildung, sowie eine verbreitete Verzweiflung hinzufüge, so verstehe man, dass „68 Prozent der Jugendlichen zum Staat und den seinen Dienstleistungen kein Vertrauen haben.“

In dieser Hinsicht sind nur 15 Prozent der befragten jungen Leute mit dem Unterricht in den öffentlichen Schulen des Senegals zufrieden. Zugleich könne man aufgrund der Befragung beobachten, wie die politische Klasse sowie die Institutionen des Landes an Vertrauen verlören. Der politische Akteur, der den verwalteten Bürgern am nächsten stehe, nämlich der Bürgermeister, habe gerade einmal das Vertrauen von 0,7 Prozent der Jugendlichen!

Die Studie enthält auch verschiedene Positionen der jungen Leute gegenüber staatlichen Maßnahmen im Kampf gegen Terrorismus, zur militärischen Präsenz und zu Interventionen ausländischer Mächte wie auch Meinungen und Einstellungen zu den Ländern, die von terroristischen Angriffen heimgesucht werden oder werden könnten.

(Aus der Vorankündigung der Untersuchung auf der Website des Timbuktu-Instituts am 2.Oktober 2016)

Die Studie enthält auch Angaben zur Methodik, zur Rolle der Geistlichen, zu religiösen und staatlichen Gesetzen, zum politischen Wissen der Jugendlichen, zu Radikalisierungsprozesen, zu Verantwortlichkeiten u.a.

Prof. Bakary Sambe ist Vorstandsmitglied der Stiftung WEM.


 

2016 (Juni)

Artikel/ Article

Bernd Thum:
Die Euromed-MemoriaCarte.
Eine virtuelle Karte euro-mediterraner Erinnerungsorte als Beitrag zur kulturellen Kodierung des Erweiterten Mitttelmeerraums.

In: Philosophia Scientiae 20, H. 2 (2016), S. 141-155

Der Beitrag behandelt die euro-mediterrane MemoriaCarte der Stiftung WEM erstmals unter raumtheoretischen Aspekten. Inhalt:

  1. Der Euro-mediterrane Raum als funktionaler Raum
  2. Die Euromed-MemoriaCarte (‪ ‪www.euromed-memoriacarte.de‪ ‪)‪
  3. Räume und Orte
  4. Memoria: Erinnerung, Gedächtnis, Mahnung

Text in deutsch, Résumé en français:

„L’Euromed-MemoriaCarte, un projet initié dans le cadre de la
Fondation Espace des savoirs Europe-Méditerranée (Stiftung Wissensraum
Europa-Mittelmeer e.V., WEM), est une carte virtuelle des lieux de mémoire
« euro-méditerranéens », tant en Méditerranée au sens strict que dans ses
extensions en Europe et en Afrique subsaharienne. L’objectif de la carte,
correspondant aux objectifs de la Fondation WEM, est de contribuer au
développement d’une conscience « euro-méditerranéenne » par l’échange et
l’intégration des savoirs dans un espace partagé euro-méditerranéen. En ce qui
concerne particulièrement l’élaboration de la carte, il s’agit de contribuer à la
simplification et à la lisibilité de la masse et de la complexité des informations
en faisant appel à un système de codage et de symboles qui se réfèrent à
des lieux de mémoire. À travers ces lieux, chargés d’une superposition des
savoirs des cultures des deux rives de la Méditerranée, la carte ne visualise pas
seulement un héritage partagé mais aussi les enchevêtrements et le dynamisme
culturels de l’espace euro-méditerranéen. Parce que les lieux sont vus à la fois de façon géographique et topographique, se pose alors la question de savoir sila carte est vraiment partie prenante du « tournant topographique » ou plutôtd’un tournant « post-topographique » qui prend en compte à nouveau les faitséographiques et historiques. Ce thème, ainsi que les concepts d’espace, de lieu et de mémoire sont discutés à la fin de la contribution.“


 

2016 (Mai)

Artikel/ Article

Mohieddine Hadhri & François Pelletier
Le Moyen-Orient dans la Seconde Guerre mondiale: convoitises et rivalités des grandes puissances belligerantes
Der Nahe Osten im Zweiten Weltkrieg: Begehrlichkeiten und Rivalitäten der kriegführenden Großmächte

In: Guerres Mondiales et Conflits contemporains 2/2 016 (nr. 262: Moyen-Orient et conflits au XXe siècle), Paris: PUF, pp. 93-106

Die Autoren dieses Artikels in französischer Sprache untersuchen die Politik der Groß- und Weltmächte England, Frankreich, Sowjetunion und USA im Nahen Osten von 1939 bis 1945. Seit dem Sykes-Picot-Abkommen von 1916 war dies eine ‚balkanisierte‘, in ‚Einflusssphären‘ Englands und Frankreichs geteilte geopolitische Zone. Schon vor, insbesondere aber während des Kriegs versuchten sich Nazi-Deutschland und das faschistische Italien in die bisher von England und Frankreich beherrschte imperiale Nahostpolitik einzufädeln. Dann, von 1943 an, insbesondere aber seit der Konferenz von Yalta im Februar 1945, beherrschten die USA wesentlich das Geschehen und die Region.

Der Aufsatz enthält viele wenig bekannt Details, wie zum Beispiel zur Rolle der italienischen Propaganda über Radio Bari, die nicht müde wurde, die großen kulturellen Leistungen der arabisch-islamischen Welt hervorzuheben. Der italienische Imperialismus zielte damals nicht etwa nur auf Nord- und Ostafrika, sondern auch auf die Arabische Halbinsel, auf Saudi-Arabien, den Yemen und Hadramaut, dann auf den Irak oder gar, in Afrika, auf den Tschad. Dass sich Deutschland mit Rücksicht auf Italien, Vichy-Frankreich und seine Pläne im Osten trotz mancher Angebote aus der arabischen Welt zurückhielt, ist nicht überraschend. Dass Habib Bourguiba, damals in französischer Haft, schon im August 1942, also vor der deutschen Niederlage in El Alamein, seine Freunde in Tunesien anwies, mit den Alliierten gemeinsame Sache zu machen, ist vielleicht ebenfalls bekannt, dass er aber im Juni 1943 persönlich an den amerikanischen Präsidenten Roosevelt schrieb und gegenüber den freifranzösischen Herrschaftsansprüchen amerikanische Unterstützung erbat, dürfte eine nur wenigen vertraute Nachricht sein.

Die Autoren belegen, dass nach der Konferenz von Yalta die britisch-französischen ‚Begehrlichkeiten und Rivalitäten‘ zweitrangig werden. Die neuen Player heißen seit damals USA und Saudi-Arabien. Roosevelt und Ibn Saud trafen sich am 14. Februar 1945 an Bord des Kreuzers ‚Quincy‘ im Roten Meer: Amerika erhielt die gewünschten Militärbasen und Öl-Rechte auf der Arabischen Halbinsel, die Saudis das Versprechen der Amerikaner, die Araber bei ihrem Streben nach Unabhängigkeit gegenüber den alten europäischen Mächten zu unterstützen, unter saudischer Führung (d. Red.)

„Le Moyen-Orient a été l’un des théâtres d’opérations militaires de la Seconde Guerre mondiale. Le conflit révélait la dimension hautement stratégique de cette partie du monde : carrefour de communication entre les trois continents et objet d’ambitions rivales que les découvertes pétrolières récentes ne faisaient qu’aiguiser. Dès 1939, les Puissances de l’Axe avaient envisagé un partage du Moyen-Orient et de l’Afrique du Nord. Au cours d’une seconde phase, à partir des conférences de Téhéran en 1943 et de Yalta en 1945, le Moyen-Orient devenait l’objet de vives convoitises en vue d’un nouveau partage en « zones d’influence » entre les vainqueurs. Cet article se propose d’apporter quelques éclairages sur cette période, ainsi que sur la géopolitique des grandes puissances au Moyen-Orient, notamment en Arabie, devenue depuis la rencontre Roosevelt-Ibn Séoud en février 1945 une pièce maîtresse sur l’échiquier moyen-oriental.“ (Résumé de l’éditeur)


 

2016 (März) (2010)

Artikel/ Article

Petr Charvát (Plzen):
Alte Geschichte und die Schaffung eines euro-mediterranen Wissensraums – die tschechischen Länder.
Eine Fallstudie.

Dies ist die schriftliche, unveränderte Fassung eines Vortrags über die ersten Verbindungen zwischen Böhmen, Mähren und der islamische geprägten Welt im Mittelalter. Professor Petr Charvát, Geschichtswissenschaftler an der Westbömischen Universität Plzen und der Karlsuniversität Prag, Spezialist für Fremdkontakte der mittelalterlichen Zivilisation Europas, hat diesen Vortrag im Oktober 2010 auf der Gründungskonferenz der Stiftung Wissensraum Europa-Mittelmeer (WEM) in Rabat gehalten. Die darin vorgetragenen Kenntnisse sind wichtig für die Bestimmung des Raumgefüges des Erweiterten Euro-Afro-Mediterranen Raums, zu dem auch das östliche Mitteleuropa gehört.

Petr Charvát (Plzeň):
L´histoire ancienne et la constitution d´un espace des connaissances euro-méditerranéen – les pays tchèques, étude de cas.

C’est la version écrite d’une conférence sur les contacts entre la Bohême, la Moravie et le monde islamique au Moyen Age présentée par Pr Petr Charvát, historien à l’Université de la Bohème de l’Ouest à Plzen et à l’Université Charles, Prague, en octobre 2010 à la conférence de fondation de la Fondation WEM à Rabat. Charvát est spécialiste des contacts à distance de la civilisation europénne médiévale. Les connaissances élaborées par l’auteur sont importantes pour déterminer la structure spatiale de la zone euro-afro-méditerranéenne comprenant aussi l’Europe centrale.


 

2016 (Februar) (2013)

Artikel (Texte)/ Article (textes)

Petr Charvát – Ladislav Hrdlička – Claire Delery:
Andalusi sherds from Prague
(Andalusische Keramik in Prag)

In: Archeologické rozhledy LXV–2013, p 198–206

Der Euro-mediterrane Raum – dazu gehört im Sinne der Stiftung WEM e.V. auch Mitteleuropa. Prof. Petr Charvát, Universität Plzen (Tschechische Republik) ist Korrespondent der Stiftung WEM. Seine Forschungen sind ein wichtiger Beitrag zur Rekonstruktion der zahlreichen geschichtlichen Verbindungen Böhmens und Mährens zum engeren Mittelmeerraum und zur arabischen Welt. Charvát untersucht im vorliegenden Aufsatz zusammen mit anderen Wissenschaftlern andalusische Keramik aus dem mittelalterlichen Prag. Etwa zwischen 1250 und 1320 gab es einen bedeutenden Handel mit Luxusgütern aus dem arabischen Mittelmeerraum, mit denen sich die Oberschicht in Prag versorgte. Der Weg dieser Güter führte über die Seeroute entlang der atlantischen und Nordsee-Küste. Oder die Güter fanden ihren Weg nach Mitteleuropa im Gepäck jüdischer Reisender aus Prag und anderen Zentren.

„Two fragments of lustre-glaze tableware excavated at the Týn merchant inn in the Staré-Město quarter of Prague, the archaeological deposition context of which may be dated into the turn of the 13th and 14th century, represent products of Andalusi pottery workshops of 12th and early 13th centuries. The route by which this tableware service came to Prague is difficult to trace. It seems most logical to link the introduction of this luxury pottery with the wave of Andalusi products, especially precious textiles, supplying the highest circles of Bohemian society roughly between 1250 and 1320. This commercial operation might have followed up the trade ventures of Andalusi-oriented entrepreneurs furnishing customers of western Europe along the Atlantic coast with luxury items originating in Andalusi production plants. An alternative to this idea is represented by the possibility that the vessels came to Prague in the baggage of some of its Jewish residents.“ (Summary)


 

2016 (Februar)

Artikel (Diskussion)/ Article (discussion)

François de Bernard (Toulouse):
La „guerre contre le terrorisme“ remplace la politique. In: La Libre.be, 18. Februar 2016

(Der „Krieg gegen den Terrorismus“ ersetzt die Politik)

Dr. François de Bernard (Toulouse) ist Präsident des Groupe d’Etudes et de Recherches sur les Mondialisations (GERM), Tournefeuille, Frankreich, und Mitglied der Stiftung WEM. In der elektronischen Ausgabe der angesehenen belgischen Zeitung ‚La Libre Belgique‚ (La Libre.be) verurteilt de Bernard – aus französischer Sicht – mit starken Worten die Überlagerung, ja Verdrängung der notwendigen Diskussion über eine strategische Planung für den Euro-mediterranen Raum, ja, der Politik überhaupt, durch die alarmistische Formel vom „Krieg gegen den Terrorismus“. Er vergleicht dies mit dem seit vierzig Jahren anhaltende Reden über einen „Krieg gegen die Arbeitslosigkeit“. Die alles übertönende Rede vom „Krieg gegen den Terrorismus“ schaffe genau die alles erstickende Atmosphäre, die Bin Laden dem Westen angedroht habe. De Bernard warnt vor einem möglichen realen Krieg, der dann aber nichts anderes wäre als ein „einfacher, barbarischer Kampf, hirnlos, konzeptlos und fern aller strategischen Dimension“.

zu ‚La Libre Belgique


 

2016 (Januar) (1998)

Resümee (Texte)/ Résumé (textes)

Mohammed Lebbar (Fes):
Das vandalische Afrika zwischen byzantinischen Eroberungszügen und Aufständen der Mauren, 429-534 n.Chr.

Resümee (deutsch, 2016) der Dissertation Faculté des Lettres et des Sciences Humaines Saiss-Fès 1998

(Mohammed Lebbar (Fes): L’Afrique vandale entre les expéditions byzantines et les insurrections maures, 429-534 n.Chr.)

Résumée en français (avec bibliographie)

Professor Mohammed Lebbar (Fes), Korrespondent der Stiftung WEM, befasst sich in seiner arabischsprachigen Dissertation mit der Geschichte der Vandalen in Nordafrika 429-534 n. Chr. Dabei interessiert ihn besonders die Rolle der dort ansässigen Mauren (mehr unter der Rubrik „Texte/ Buch-Publikationen“)


 

2016 (Januar)

Artikel/ Article

Prof. Bakary Sambe, Universität Gaston Berger in Saint-Louis (Senegal), Vorstandsmitglied der Stiftung WEM, Präsident des Timbuktu Institute (Dakar), kommt in einem Artikel von dw.com als genauer Beobachter politisch-religiöser Entwicklungen in Afrika zu Wort und äußert sich pessimistisch über die Situation in Westafrika. Diese sei durch das Einwirken der mächtigen sufistischen Bruderschaften bisher einigermaßen stabil gewesen. Dies sei jetzt, wie die Ereignisse in Oouagadougou zeigten, nicht mehr gewährleistet.

Christine Harjes: Wie stabil ist Senegals moderater Islam?


 

2016 (2014)

Artikel (Texte)/ Article (textes)

Zwischen dem frühmittelalterlichen Mähren und Norditalien, insbesondere der See- und Handelsmacht Venedig bestand seit der Mitte des 9. Jahrhunderts ein vielfältiges Geflecht von wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen. WEM-Mitglied Prof. Petr Charvát, Universität Plzen (Tschechische Republik), hat sich damit auseinandergesetzt. Es war die Epoche der ‚Slawenapostel‘ Kyrill und Methodius, beide aus Saloniki, also aus dem engeren Mittelmeerraum. Eine wichtige Rolle für die Beziehungen Mährens zum Mittelmeer spielte, wie sich aus den Quellen erschließen lässt, der im Dienst des mährischen Herrschers Svatopluk stehende Priester Johannes de Venetiis. Charvát geht im Weiteren auch auf linguistische, kunstgeschichtliche und baugeschichtliche Spuren ein. Eingehender befasst er sich mit dem Handel, namentlich dem Sklavenhandel aus den slawischen Gebieten mit Venedig und dem Kalifat der Abbasiden in Bagdad. Ein Streiflicht fällt dabei auch auf das fast die ganze Alte Welt bis nach Südostasien hin umfassende Handels- und Wegenetz der Radhaniten.

Petr Charvát (Plzen):
A montibus usque ad mare: Moravia and Venice in the 9th Century.

In: Pavel Kouril et al. (eds.): The Cyril and Methodius Mission and Europa. 1150 Years since the Arrival of the Thassaloniki Brothers in Great Moravia. Brno: The Institute of Archaeology of the Academy of Sciences in the Czech republic 2014, S. 234-238.


 

2016 (Nov. 2015)

Dossier/ Dossier

Anlässlich des 70. Jahrestags der Gründung der UNO gibt Prof. Mohieddine Hadhri, Universität La Manouba/ Tunis, Vorstandsmitglied der Stiftung WEM e.V., einen Überblick über die Geschichte der Vereinten Nationen, speziell der UNESCO. Er geht dabei insbesondere auf die Leistungen der UNESCO im Bereich der Bildung wie auch des Schutzes von Kulturgütern ein. Dabei hebt er die guten Beziehungen Tunesiens zur UNESCO seit 1956 und deren Rolle bei der archäologischen Sicherung Karthagos hervor. Mit Trauer und Skepsis betrachtet er die Verwüstung des kulturellen Welterbes in Mesopotamien seit 1991. In einem zweiten Teil seines Dossiers stellt er die berühmte Erklärung der UNESCO zur kulturellen Vielfalt (2001) in den Mittelpunkt und fordert eine Rückbesinnung auf die dort aufgerufenen Werte: die wechselseitige Abhängigkeit der Kulturen (und Ökonomien), die Stärkung kultureller Identitäten, den Kampf gegen Vorurteile und die Verweigerung kulturellen Zusammenwirkens, die Akzeptanz plurikultureller Gesellschaften. Das Dossier schließt mit einer Reihe von Vorschlägen für eine neue kulturpolitische Initiative in diesem Sinne, insbesondere im euro-mediterranen Raum. Unter anderem schlägt Hadhri vor: die Einrichtung kultureller ‚Kulturbrücken‘ zwischen Nord un Süd, eine Art Marshall-Plan für kulturellen Austausch, Förderung eines universellen Humanismus durch Aufwertung der großen Kunstwerke des Welterbes sowie geschichtlicher Persönlichkeiten sowie von Symbolen, die in diesem Sinne gewirkt haben und wirken.

Mohieddine Hadhri:
L’UNESCO et la Traversée du siècle. Un monde plus que jamais à reconstruire.

In: La Presse (Tunis), 14 nov 2015.


 

2015 (August)

Artikel/ Article

Bernd Thum (Heidelberg/ Karlsruhe)
From the Euro-Mediterranean Partnership towards a Geopolicy of the Wider Euro-Mediterranean Area as a ‚Functional Space‘

In: Udo Steinbach, Rupert Graf Strachwitz, Piero Antonio Rumignani (Eds.):
Europe and the Mediterranean. Talking, Learning, Working, and Living together (2)

Berlin: Maecenata Stiftung 2015, p. 30-35 (= Europa Bottom-up. Arbeitspapiere zur europäischen Zivilgesellschaft/ European Civil Society Working Papers, Nr. 12)

Content:

(1) The concept of a ‚functional space‘ and its relevance for a multilateral, cooperative and non-objectivist geopolicy.

(2) The Mediterranean area as an object of ‚classic‘ and perhaps ‚pot-classic‘ geopolitics.

(3) How can the wider Euro-Mediteranean area – from Dublin to Damascus, from the Niger to the North Cape – be perceived as a functional space? Some social, economic and cultural references.

(4) Which geopolicy should be proposed for the Wider Euro-Mediterranean Area?

Prof. Thum (Karlsruher Institut für Technologie/ KIT) ist Präsident der Stiftung WEM e.V.


 

 

 

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